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Jf vom 25.07.16 – Industrie 4.0 (GS 2-16)

Die Presse sieht mit der „Digitalen Revolution“ eine neue Zeitenwende eingeleitet. Was gibt es für uns an diesem Thema zu klären?

I. 1. Die „Verschmelzung“ von Industrieproduktion mit Informations- und Kommunikationstechnologie

   — Eine Frage zu S. 27 u.: Da steht zu dem Punkt neue Unternehmens-Kooperation: "ihre jeweiligen Pro­duktionsprozesse greifen auto­matisch ineinander, überschreiten die Unternehmensgrenzen und relativieren damit die exklusive Verfügung der Betriebsherren über ihr produktives Eigentum …" Das ist mir unklar. Dass die Un­ternehmen mit den Zulieferern kooperieren, dass Produktionsprozesse auf diese Weise aufeinander bezogen und voneinander abhängig sind, ist nicht neu. Was ist da das Spezielle, weshalb sie ihre „exklusive Verfügung über ihr produktives Eigentum relativieren“? Welche Rolle spielt da die Informations­technologie für die Produktion?

   — Im Unterschied zum Bisherigen – ein Zulieferer liefert an eine Firma Teile, die eingebaut werden – ist mit der Vernetzung angestoßen, dass der Pro­duktionsprozess automatisch firmenübergreifend geregelt ist, dass z. B. Produkte automatisch angeliefert und eingebaut werden. Daraus ergeben sich neue Fragen bezüglich des Eigentums.

   — Vorher war auch der Zweck des Zulieferers, sich anzupassen an den Bedarf, den der industrielle Kapitalist entwi­ckelt, das wird perfektioniert. Aber wie relativiert eine Firma über die automatische Anpassung ein Stück ihres Eigen­tums? Das entspricht doch dem Zweck, der da perfektioniert wird.

   — Vielleicht kommt man ja über die Beantwortung der Eingangsfrage zur Klärung der Probleme. Also Argumente zu finden, dass das keine Ideolo­gie ist über die Revolutionierung der kapitalistischen Produktion, sondern ein qualitativ neuer Schritt in der Art und Weise, wie kapitalistische Produktion geht (was deshalb auch zu einer Konkurrenzaffäre der Staaten wird).

Ja. Was ist das Besondere, das man an dem Thema vermelden will? Ist denn der angespro­chene Fortschritt bei dem, was die Kapitale machen, um ihren Gewinn zu steigern, eine neue Stufe? Ob vom Technischen her, ist hier nicht so wichtig, aber ob diese neue technische Entwicklung gleichzeitig etwas da­für bedeutet, wie die Kapitale zueinander stehen, und wie sich dann der Staat (II. Teil) darauf bezieht?

Das Neue liegt nicht in der Automatisierung. Das wird klar an dem, wie der Artikel argumentiert. Der fängt an: Jedes Unternehmen versucht seine Kapitalverwertung dadurch zu intensivieren, dass es die Produktivität seines Be­triebs erhöht. Da bietet die Digitalisierung in verschiedener Hinsicht sehr viele Möglichkeiten, die Produktivität zu erhöhen. Das Mittel dafür führt aber gerade zu Problemen in Bezug auf den Zweck, den die einzelnen Kapita­le damit verfolgen, indem sie einerseits kooperieren, andererseits als Konkurrenten in Beziehung treten. Das Neue daran ist das Phänomen, wie sie da miteinander kooperieren und konkurrieren.

In den ersten drei Abschnitten im Kapitel I. 1. geht es zunächst darum, was mit der Digitalisierung angestellt wird. Die Methoden: Arbeitskraft sparen, Umschlag erhöhen, Zirkulationskosten verringern, wendet das Kapital immer an. Das sind die klassischen Mittel, wie Betriebe ihre Produktivität und Kapitalverwertung beschleunigen. Aber was ist an dem digitalen Mittel Besonderes? Das Mittel ist in einer anderen Hand. Das ist die Zu­liefer-firma zwar auch, aber im Unterschied zum jetzi­gen wird eingeführt, dass man das Ding nicht einfach kauft, sondern ein dauerhaftes Abhängigkeitsverhältnis zum "Zulie­ferer" bestehen bleibt. Darüber erhält dieser eine gewisse Macht über das Unternehmen, das er mit seiner Dienstleistung versorgt.

Dass bei den Mitteln der Rationalisierung und Effektivierung des Betriebes, bei der Umschlagserhöhung ein neu­es Mittel erfunden ist, das es früher nicht gab – wodurch auch große Konkurrenzvorteile und Beschleuni­gungsmöglichkeiten der Verwertung in Gang kommen –, wird im Artikel ausgeführt. Die Technik-Begeisterten sagen, toll, was da alles geht. Aber das ist eigentlich die langweiligere Sache für uns.

   — Die Frage vom Anfang ging auf eine Konsequenz dieser technischen Effektivierung hinsichtlich der Einspa­rung von Arbeitskosten und hinsichtlich der Zirkulationsbeschleunigung. In der Art, wie das mit der neuen Technik organisiert ist, liegt ein prinzipieller Widerspruch zu der kapitalistischen Produktionsweise darüber, dass diese Zulieferung über die Vernetzung der Wertschöp­fungskette automatisch erfolgt, sobald Bedarf ist. Der Wider­spruch ist, dass mit diesem selbsttätigen Einbezie­hen der Produktion des anderen schon ein entscheidendes Prinzip dieser Pro­duktionsweise affiziert ist. Nämlich das Prinzip, dass das Privateigentümer sind, die in Kon­kurrenz zu den ande­ren produzieren. Natür­lich gibt es die Kooperation schon immer, aber an der Stel­le tritt was Neues ein, nämlich dass die Verfügung über das Eigentum relativiert wird, weil von vorneherein durch die technische Kooperati­on über die Vernetzung festgelegt ist, sobald Bedarf ist, wird er ein­bezogen in die Produktion des anderen. Darin liegt sicher ein Fortschritt, aber auch ein Problem für die Produk­tionsweise, weil eine Entscheidungsebene in den ein­zelnen Betrieben quasi ausgeschaltet wird zugunsten einer automatischen Zulieferung. Man darf die Effektivie­rung nicht ausspielen dagegen, dass da neue Fragen und Probleme entstehen.

Das gehört schon zum 2. Punkt. Neben dem, dass das Medium die alten Zwecke der Unternehmen anders und effektiver befördert, ist noch eine wichtige Neuerung: Bei der Ge­staltung der Kapitalzirkulation (im Sinne von K II), dem Zirkulationsprozess des Kapitals, gibt es entscheidende Veränderungen, die es bisher nicht gab. Wie z.B., dass man sich tatsächlich vernetzt mit anderen Firmen, dass der Einkauf und die Produktionssteuerung nicht mehr vom einzelnen Unternehmen ausgeht, sondern insofern verge­sellschaftet ist, als eine Kooperation stattfin­det, die nicht nur jeweils auf Absprache läuft, sondern automatisiert und über andere Firmen bewerkstelligt wird. Diese technischen Veränderungen sind die Voraussetzung für all die späteren Probleme mit Zweck und Mit­tel; weil ein neuer Markt geschaffen wird, die Marktver­hältnisse sich stark verändern.

Durch diese Neuerung ergibt sich auch ein ganz neues Produkt, mit dem man Geschäfte machen kann: Daten.

   — Auf S. 28/29 steht: "Das Erheben und Sammeln von Daten wird zum eigenen Zweck, … ein eigenes Ge­schäftsmittel." Große Unternehmen (wie Siemens/BMW) machen das Datensammeln ja schon, aber wie entwi­ckelt sich das so übergreifend? Wie funktioniert da der Zusammenhang? Es ist ja nicht die produktive Firma, das Handelskapital und dazwischen der Berg von Daten, es sammeln alle gleichzeitig Daten.

Dass die Daten ein eigenes Geschäftsmittel sind, widerspricht dem nicht, dass es verschiedene Subjekte sind, die daraus ihr Geschäftsmittel machen. Ob IT-Unternehmen, Amazon als Handelsplattform oder ein Industriebe­trieb – der Punkt ist, dass sie ein eigenständiges Geschäftsmittel werden und auf dem Feld dann eigene Geschäftsideen und eigene Firmen darauf bauen.

Die IT-Firmen, die mit den Firmen zusammenarbeiten, verfügen auch über diese Daten, die alle sammeln. Mit diesen Daten der einzelnen Firmen, kombiniert mit den anderen Daten – auch dar­über, dass sie die Zirkulation vermitteln, darüber, dass die Produktionsanlagen zusammenfließen usw. entstehen eine Menge von Daten – kann man selbst wieder ein Geschäft machen, weil man aus den Daten Schlüsse in allen möglichen Be­reichen ziehen kann, wie man die verwerten kann, wie man die ausnützen kann zur Verbesserung des eigenen Geschäfts. Jeder Handy-Betreiber weiß, wie die Leute sich bewegen, weiß, wann sie einkaufen gehen und Freizeit haben. Das ist wieder eine Information für Geschäftsleute usw. Insofern ist das Datenerheben etwas, aus dem jeder, der sie so­wieso erhebt, ein Geschäft macht, bzw. worum konkurriert wird, wer das Ge­schäft da­mit machen kann.

   — Zur Verdeutlichung, was mit Vernetzung und Daten anfallen gemeint ist: Die Eigenart des in Anschlag ge­brachten technologischen Mittels funktioniert eben nur, wenn jedes einzelne Kapital sich zum Bestandteil der Vernetzung macht. Wenn ein Betrieb sich nicht einsortiert ins internationale Netzwerk von Zulieferern und Ab­nehmern und andererseits selbst das, was er produziert, nicht auch in diesem Netzwerk insgesamt anbietet und zugänglich macht, dann funktioniert die Selbsttätigkeit nicht. Dass man über alle Unternehmen hinweg Preise vergleicht, sich beliebig Zulieferer und Rohstofflieferanten aussuchen kann, diese Art von Automatismus funktio­niert nur dann, wenn sich der einzelne Betrieb zu einem Bestandteil dieses Netzwerkes macht. Nur dann wird au­tomatisch eine Firma über günstige Zulieferer informiert oder ihr Produkt international zum Angebot für den Rest der Welt gemacht. Insofern gibt es immer das Doppelte: Die einzelne Fir­ma muss sich alle Informatio­nen, die es über Zulieferer oder verschiedene Absatzmöglichkeiten gibt, verfügbar machen und andersrum muss sich die Firma selbst dem Rest der Welt ihrerseits Daten-mäßig verfügbar machen. Das ist die Grundlage und Vor­aussetzung für das automatische wechselseitige Benutzen innerhalb des Netz­werkes. So kommt dieser Daten­wust in die Welt.

Wenn jetzt die Vernetzung die Produktivkraft ist, die den Geschäftserfolg sichert, dann ist die ande­re Seite davon, dass der einzelne Eigentümer darüber gar nicht exklusiv verfügt, sondern nur in Kooperation. So­mit hat das Ausgeführte die Frage – inwiefern darüber die Betriebsherren ihr Eigentum relativieren – beantwor­tet.

   — Nicht das Eigentum wird relativiert, sondern die Einrichtung der Betriebsabläufe ist nicht mehr exklusiv Sa­che des einzelnen Kapitalisten: Er muss die eigenen Betriebsabläufe dahingehend einrichten, dazu passend ma­chen, dass er sich als Firma be­währt, die ihre Waren auf allen möglichen Plattformen anbietet und die für Zulie­ferer aus aller Welt erreichbar und in der Lage ist, sämtliche Preisvergleiche über alle Unterneh­men hinweg praktikabel zu machen.

Nur gehört diese Erklärung in den 2. Punkt des 1. Kapitels. Wir waren beim 1. Punkt: Was ändert das an den Pro­duktions- und auch Zirkula­tionsgeschäften der Unternehmen, was verändert es an dem, wie sie existieren? Es ist eine Form der Vergesell­schaftung, die in dieser Wirtschaft eigentlich nicht üblich ist: Dass ein Unternehmen, sei­ne Informationen, seine Kundschaft einem anderen Unternehmen oder einem Dritten zur Verfügung stellt, der dann regelnd darauf einwirkt, wie die eigene Zirkulation und Produktion ablaufen. Das ist zunächst mal (be­vor man bei den Pro­blemen ist) der Fortschritt, der im Unternehmensablauf eingeführt wird und dann eine Not­wendigkeit wird für die einzelnen Unternehmen.

   — In den Betrieben gilt die Privatmacht des einzelnen Kapitals. Jetzt hat man über diesen gesell­schaftlichen Fortschritt eine Verallgemeinerung dadurch, dass alles verdatet wird. Das war der Automatismus. Gleichzeitig bleibt natürlich das Privateigentum unangerührt. Aber über dieses Netzwerk entstehen neue Macht­verhältnisse. Die mischen einiges auf. Das ist ein anderer Widerspruch als festzustellen: das war bisher nicht üblich. Es ist ein eigenartiges Verhältnis: Man hat jetzt ein Mittel der Produktion, das hat eine gesellschaftliche Allgemein­heit, gleichzeitig ist die Privatheit der Kapitale weiter gesetzlich garantiert.

Aber es sollten nicht alle Schritte auf einmal erfolgen. Diese Verallgemeinerung ist in der Tat nicht üblich, denn damit gewinnt das IT-Unternehmen allein schon darüber, dass die Produktion an seiner Software hängt, Macht über das andere Unternehmen. Erstens darüber, dass es die Preise festlegen und (über seine Monopolstel­lung) dauerhaft die Preisgestaltung zu seinen Gunsten verstärken kann, bis dahin, dass es Einfluss darauf nimmt, was dieses Unternehmen noch kann und darf. Das ist alles noch im 1. Punkt, bevor man auf den grundsätzlichen Widerspruch kommt, der im 2. Punkt systematisch abgehandelt wird. Festgehalten werden sollte, was in dem charakterisierten Fortschritt alles enthalten ist. Es ist eben nicht einfach das Übliche, son­dern handelt sich um ganz neue Formen der Produktion und des Marktes, in dem sich die Unternehmen bewäh­ren müssen und ihren Vorteil gegen den anderen suchen.

   — Was ist jetzt genau das Neue? Diese neue Form der Kooperation ist doch eine Form der Vergesellschaftung der Produktion, in der verschiedene Kapitale (durch die technischen Verabredungen, zu dessen Ablauf natürlich jeder Eigen­tümer seine Zustimmung gegeben hat) zumindest auf der Produktionsseite wie eines fungieren.

Man muss zwischen Arbeits- und Verwertungsprozess unterschei­den. Und auch im Arbeitsprozess ist es nicht einfach so, dass sie wie eines handeln; Kooperieren unterstellt immer noch eine Eigenständigkeit, die jeder behalten will gegenüber dem anderen. Er will über sein Produkt oder seine Dienstleistung sein Kapital vermehren. Nur: Die Abhängigkeit, die sie dabei freiwillig eingehen – aber andererseits über den Konkurrenzdruck auch müssen –, ist das Neue. Erstmal, was die technische Seite angeht, wie sie überhaupt organisiert sind, wie sie sich selbst verwalten. Beim Übergang vom 1. zum 2. Punkt (S. 30) wird noch mal unter dem * betont, was das für die In­dustrieunternehmen heißt, die sich dieser Kooperation bedienen und anpassen müssen mit all ihren Veränderun­gen.

   — Aber diese Kooperation beinhaltet doch tatsächlich, dass die einzelnen Kapitalisten auch die Verfügungsge­walt über die Prozesse, die bei ihnen ablaufen, zum Teil nicht mehr selber ausführen; auch Entscheidungsträger werden ja abge­schafft; dass also Teilprozesse gar nicht mehr im Entschei­dungsbereich des einzelnen Kapitals liegen. Inso­fern ist an dem Bild, sie kooperieren wie ein Betrieb, was dran.

Wenn die Unternehmensgrenzen geöffnet werden für andere Unternehmen, heißt das nicht, dass die Unternehmen damit wegfallen, auch nicht, dass es eine Einheit dieser Pro­duktionsprozesse ist. Es sind Teile davon, nicht einer. Es ist eine neue Form der Kooperation und Kooperation unterstellt immer mehrere.

   — Der Artikel beginnt mit der einfachen Abteilung: Im 1. Punkt geht es los mit der Automatisierung, Digitali­sierung, die darauf abzielt, dass dieser Einsatz von Maschinen oder Robotern Arbeit (Lohnkost) einspart, also Rationalisierung ist. Da­durch (2. Pkt.) wird der Produktionsprozess beschleunigt, der Umschlag wirkt sich Kos­ten mindernd auf die Kapitalver­wertung aus. Im 3. Punkt geht es darum, dass dabei die Sphäre der Produk­tion in neuer Art und Weise verknüpft wird mit der Sphäre der Zirkulation. Der Inhalt der Vernetzung oder be­trieb­lichen Grenzüberschreitung ist, dass in der Art und Weise, wie ein Betrieb sich seine Betriebsmittel einkauft, oder dann seine Produkte auf dem Markt verkauft, sich ein neues technologisches Mittel bewährt, das das alles im Sinne der Kapitalverwertung enorm effektiviert. Ein Kapital, das sich dieser vernetzten Zulieferbetriebe bedien­en kann, ist in der Lage, einen Preisvergleich über alle Betriebe hinweg quasi automatisch anzustellen und dann eine entsprechende Auftragserteilung und Zulieferung selbsttätig stattfinden zu lassen. Auf der anderen Seite muss das Unternehmen nicht erst Marktforschung betreiben, wo gerade Nachfrage nach seinem Produkt exis­tiert, sondern auf Handelsplattformen ist automatisch das Angebot der Firma im Netz und jeder, der sich ent­sprechender Portale bedient, kann auto­matisch darauf zugreifen. Aber diese Effektivierung oder Kostensen­kung zum Zweck der Kapitalverwertung ist nur zu haben, wenn man sich wie geschildert der Technologie be­dient, nur, wenn man sich zum Bestandteil solcher Netzwerke macht, seine Zulieferungen, sein Einkaufswesen auf solche Zuliefernetzwerke ausrichtet und/oder auf der anderen Seite sein Verkaufswesen auf diese vernetz­ten Ein­kaufsportale ausrichtet.

Auch dass man sich andere Unternehmen als Subunternehmer verfügbar macht, kann effektiviert werden, indem man sich vernetzt mit verschiedenen Firmen, die partiell oder teilweise einzelne Produktionsschritte für die eige­ne Firma ausführen. Dafür gilt wieder das gleiche: In gewünschter Weise effektiv ist es nur, wenn man sich auf die einschließenden Arten und Weisen der Vernetzung, die diese Technologie bietet, einlässt. Wenn man entspre­chende Datenübermittlungskanäle und automatische Abrufsysteme etc. einrichtet.

Diese Art von Automatisierung und Digitalisierung, die man sich zunutze macht und die dann als Zusammenfüh­rung von Produktion und Zirkulation gelten, ist in diesem Sinne eine Relativierung der exklusiven Verfügung über das Eigentum. Diesen Segen der Technik gibt es nur, wenn man sich den Notwendigkeiten der Technik an­passt. Die heißt Kooperation auf ganz anderer gesellschaftlicher Stufenleiter als wenn jeder Betrieb für sich wirtschaftet.

Da merkt man: dazu zu sagen, das funktioniert wie ein Unternehmen ist eine Übertreibung. Natürlich ist Koope­ration etwas an­deres, als allein zu produzieren. Der Produktionsprozess hängt zusammen, wird aber auch arbeits­teilig gemacht.

Den Zusammenhang gibt es als eigenes Geschäft. Die Vernetzung ist das Angebot eines IT-Unternehmens.

   — Das Allgemeine kommt aus der Kooperation von Konkurrenten, die diese Kooperation jetzt als Notwendig­keit in der Konkurrenz gegeneinander brauchen.

Man soll also die stattfindende Automatisierung nicht übertrieben bewerten. Natürlich macht die Firma sich abhängig von einer Software. Sie kann aber immer noch aussteigen. Dass es jetzt flachere Hierarchien gibt, heißt noch nicht, es gibt keine Hierar­chie und keine Entscheidungsträger mehr in dem Unternehmen.

   — Der Haken an dem Bild von dem Zusammenwirken wie ein Betrieb ist, dass man damit die Kooperation be­stimmt unter Absehung des kapitalistischen Zwecks, nur als technische Zusammenarbeit. Das ist nicht ihr Be­griff. Man sieht der Kooperation doch den Zweck an. Der Ausgangspunkt war: sie findet statt um zu rationalis­ieren, um Zirkulationskosten einzusparen, also ist sie nicht einfach ein technisches Zusammenarbeiten.

Man gibt nicht die Verfügung darüber auf und ein anderer hat sie, sondern es ist eine Relativierung dessen, was man selbst beeinflusst. Aber das hängt daran, dass man sich dafür entscheidet. Es ist das Mittel für den eigenen Zweck. Es bleibt eine Kooperation von Konkurrenten. Das Bild von einem Betrieb löst es in Kooperation auf, aber ohne die eigen­ständigen Geschäftskalkulationen der kooperierenden Subjekte.

   — Man muss an den kapitalistischen Zweck denken. In der Produktion gibt es mal Auftragsspitzen, die eine Firma nicht allein bewältigt und Teilaufträge an eine andere Firma vergibt. Das unterstellt eine gewisse techni­sche Ab­sprache, aber klar ist doch nach beiden beteiligten Seiten hin: Derjenige, der Teilaufträge vergibt, ver­gibt sie nur deswegen, weil er sein Geschäft sichern, den Kunden bedienen will, dessen Auftrag er sonst nicht bewältigen kann. Auf der anderen Seite der, der diese Teilaufträge übernimmt, bleibt als eigenständig ökono­misch kalkulie­rendes Subjekt in der Welt und wird nicht nur technische Unterabteilung. Er übernimmt die Teil-Aufträge, weil er damit seinerseits ein Geschäft macht und seine Produktionskapazitäten im Zweifelsfall auslas­tet. Je nach dem gibt es auch die entsprechenden Friktionen, dass man einem Unternehmen einen Auftrag ertei­len will, der schon ausgebucht ist, oder der Subunternehmer ist dringend auf einen Auftrag angewiesen, und die andere Fir­ma macht das allein. Jedenfalls ist die stattfindende technische Zusammenarbeit von jeder Seite als Mittel für das eigene Geschäft in Anschlag gebracht.

   — Aber Kooperati­on hat es schon immer gegeben. Die Besonderheit an dieser Art ist, dass durch das Vernet­zen (zum Zweck der eigenen Gewinnsteigerung) Befugnisse über den Laden aus der Hand gegeben werden, be­stimmte Entscheidungsprozesse fallen weg, das enthält die angesprochene Relativierung. Von der sachlichen Seite her nähert es sich einem Zustand an, als würden sie alle zusammenarbeiten. Das steuert hier schon auf den Widerspruch hin.

Kooperation ist immer ein Widerspruch, war auch vorher schon einer. Da einen quantitativen Unterschied zu su­chen, ist gewagt: Es findet Kooperation auf einer anderen Stufenleiter mit einem anderen Mittel statt. Also ist eine andere Art der Relativierung der eigenen Eingriffsmöglichkeiten mit dem Mittel verbunden. Aber auch nur eine Relativierung. Es bedeutet nicht den qualitativen Unterschied, das sei dann vollständig der eigenen Verfü­gung entzogen. Worüber die Verfügung eigentlich aufgegeben wird, kann man näher bestimmen: z.B., dass man die Kundenda­ten, die technischen Daten, die Art der Produktion öffnen muss. Dann hat man gleich den Wider­spruch, mit dem sie dann umgehen und den sie regeln wollen, wie sie eben Mittel und Zweck zusammen­bringen. Das ist der Gegenstand vom nächsten Teil.

I. 2. a) Der Widerspruch zwischen der Vernetzung und ihrem Zweck …

In dem Punkt geht es darum: Was bisher ein Mittel der Konkurrenz war, nämlich, dass man eigene Spezi­fika in der Pro­duktion hat, die man versucht, als Mittel in der Konkurrenz gegen andere einzusetzen, ist nun aber gleichzei­tig ein Hemmnis in der notwendigen Kooperation.

   — Am Anfang des 2. Punktes bei der Standardisierung, sind doch verschiedene Standards angesprochen: 1. Die Spezifikation, die jede Firma in ihrer Produktpalette hat (recht- oder fünfeckige Anschlüsse) versucht sie als gel­tenden Standard am besten weltweit durchzusetzen, so dass kei­ner mehr darum herum kommt. Das wäre ein Standard, wie er sich durch die technische Entwicklung und den Er­folg auf dem Markt ergibt (S. 30, o.). Weiter unten steht: „Mit der Entstehung eines 'Internet of everything' wer­den vereinheitlichte Datenformate, Schnitt­stellen, Basissoftware zum wichtigsten Treiber der vierten industriel­len Revolution.“ Das sind Standards, wie beim Datenaustausch sich überhaupt Prozesse miteinander verbinden lassen. Für Datenprozesse sind neue Stan­dards erforderlich. Die Firmen, wenn sie sich an einen IT-Anbieter wenden, der das macht, sind dann gezwun­gen, dessen Standardsätze (die er entwickelt hat, damit diese beiden Firmen zusammenkommen können) zu über­nehmen. Da geht es in einer anderen technologischen Ebene um neue einzuführende Standards. Von denen ist je­der einzelne, der sich an dieser Sorte von neuer Kooperation beteili­gen will, abhängig.

So verschieden sind die Standards aber nicht. Auf der einen Ebene hat man: der Lautsprecherstecker muss in den Verstärker passen. Und wenn man eine ganze Fabrik und weltweite Beschaffungssysteme per Software vernetzt, dann muss der einzelne kooperierende Computer in der Firma mit den anderen kommunizieren können. Die Ab­wicklung der Kommunikationsprozesse zwischen ihnen benötigt eine Software, die alle verstehen.

   — Und dann heißt es: „diese Privatheit tritt ihnen (der einzelnen Produktion) als 'Inkompatibilität im Rahmen der Kooperation entgegen“, als Hindernis tritt das auf, weil so wie bisher manche EDV-Ein­richtung nicht mehr zusammenpasst mit dem, wenn diese neue Sorte von Kooperation eingeführt werden soll­te. Da müssen die sich umstellen, sonst sind sie außerhalb der Kooperation, können da nicht mithalten.

Zunächst ist das Standardsetzen das eigene Konkurrenzmittel: Man bietet Geräte an, wofür dann jeder sich das Zubehör bei einem selbst kaufen muss, weil etwas anderes nicht passt. Wenn aber das ganze Ge­schäft als weltweit vernetztes passieren soll, dann muss aber auch alles zueinander passen. Dann ist man entwe­der der Monopolist, der dieses Zusammenpassen anbietet, oder es gibt eine Konkurrenz darum.

   — Was sich als Hindernis auftut, ist, dass sämtliche technische Spezifikationen Waffen in der Konkurrenz der Kapitalisten sind. Insofern tritt ihnen tatsächlich diese Privatheit in Gestalt dessen, dass ihre Produkte inkompat­ibel sind, als Hindernis gegenüber bei der Notwendigkeit, diese Spezifikationen zu vereinheitlichen für die Ver­besserung des Geschäfts. Weswegen der nächste Schritt heißt, es kommt für die einzelne Firma darauf an, ihren Standard verpflichtend für alle zu machen.

Es gibt doch beide Seiten. Einerseits sind an den Produkten Spezifikationen, die auch alles Mögliche nach sich ziehen. Wenn man ein bestimmtes Gerät kauft, bekommt man das Zubehör nicht ohne Weiteres von einem ande­ren; es ist auch nicht mit jedem anderen Teil kompatibel usw. Wenn man aber jetzt auch die Produkte miteinan­der vernetzen lassen will, dann muss man diese technischen Standards in dem ganz praktischen Sinne vereinheit­lichen. Das ist die eine Seite. Das ist was anderes als die digitalen Standards, die man bei der Steuerung verwen­det.

Die Vereinheitlichung bedeutet die Aufgabe eines Konkurrenzmittels; was notwendig ist, um sich dann unter den neuen vernetzten Produkten zu bewähren. Darum muss man diese früheren Konkurrenzmittel aufgeben zuguns­ten einer zu erreichenden Kompatibilität, der man sich dann auch unterordnet.

   — Und dann ist die Findung dieses technischen Standards wieder ein Konkurrenzmittel, weil es darum geht, welche Firma es schafft, ihren Standard verbindlich für alle anderen zu definieren und vorzuschreiben.

Das ist auch nicht grundsätzlich neu. Aber da merkt man, dass diese Vernetzung eine ganze Menge von dem, was bisher als Konkurrenzmittel gegolten hat, außer Kraft setzt. Es geht hier um den Widerspruch, dass man ein Konkurrenzmittel aufgibt zugunsten der Vernetzung und dann nicht weiß, ob man künftig der Nutz­nießer einer relativen Monopolstellung sein kann. Damit wird so umgegangen, dass entweder versucht wird, den Standard, den man hat, zu verallgemeinern oder, wenn man das nicht durchsetzen kann, mit möglichst vielen Standards kompatibel zu sein – Stichwort ‚offene Standards’ (S. 32, o.).

*

Bei der Konkurrenz und der Kooperation der jeweiligen Kapitale geht es nicht nur um „Standards“, sondern auch um „Daten“ (s. Überschrift). Was ist dazu zu sagen?

   — Wenn die Kooperation zwischen Betrieben automatisiert werden soll, um die Zirkulation zu beschleunigen, erfordert das, dass die Programme und Algorithmen, die das bewerkstelligen, Einblick in zumindest einen Teil der Daten des jeweils anderen Betriebs haben, also Daten, die bisher unter Geheimhaltung fielen, müssen offen­gelegt werden. Das wirft die rechtliche Frage nach der Datensicherheit auf: was stellt der ‚Geschäftspartner’ mit diesem Wissen an?

   — Eben weil sie trotz der Offenlegung der Daten Konkurrenten bleiben mit dem entsprechenden Misstrauen bezüglich dessen, was der andere Betrieb mit den eigenen Daten anstellt. So kommt der Ruf nach einer rechtli­chen Regelung durch den Staat zustande.

Es sind ja auch nicht irgendwelche Daten, die offengelegt werden, sondern gerade die, die den wesentli­chen Produktivitätsfortschritt ausmachen, eben die vernetzten Betriebsabläufe, die das wesentliche Konkurrenz­mittel sind.

   — Vorher ging es um die Relativierung der exklusiven Nutzung als technische Notwendigkeit, aber diese Sistie­rung der Konkurrenz beendet diese ja nicht, sondern stellt neue Daten her. Und um diesen Widerspruch geht es an dieser Stelle.

Im 1. Punkt ging es darum, dass die Daten den eigentümlichen Charakter bekommen, selber Geschäftsmittel zu sein. Hier stellt sich die Eigentumsfrage bezüglich der Daten. Wieso „steht die kapitalistische Eigentumsfrage in gewisser Weise Kopf“ (S.35)?

   — Die steht deshalb Kopf, weil faktisch alle Beteiligten über die Daten verfügen, Zugriff auf diese haben, aber wer sie exklusiv nutzen darf, das muss der Staat regeln.

Weil diese Daten Geschäftsmittel sein können, muss erstmal geklärt werden, wer das Verfügungsrecht über wel­che Daten haben darf – obwohl alle über sie verfügen.

b) Das Problem konkurrierender Kapitale mit der Verschmelzung von IT und Industrie – und die vor­wärtsweisende Lösung ...

   — Hier wird der Punkt angesprochen, dass sich mit dem Erfolg solch einer eingerichteten Kooperation über die Vernetzung von Daten eine neue Abhängigkeit der einzelnen produktiven Konkurrenten von den IT-Unterneh­men einstellt. Weil sie vom Funktionieren dieser Technik abhängig sind, die IT-Unternehmen ein viel größeres Gewicht bei der Frage des Erfolgs des (oder der) Unternehmen eine Rolle spielen, beherrschen die IT-Unterneh­men die Kooperation. Zum Beispiel muss jede Änderung einer Kooperation zwischen den Firmen vom IT-Unter­nehmen in seinen Algorithmen-Wust umgesetzt werden.

Dieses Problem stellt sich nicht erst bei einer Umstellung, sondern so ist jetzt die industrielle Produktion einge­richtet, dass ihr Funktionieren identisch mit dem Funktionieren der Vernetzung ist. Und das ist nicht ein einmal eingekauftes IT-Produkt, sondern ein ständig pflege- und innovationsbedürfiges Ding, dessen Pflege der industri­elle Produzent nicht selber in der Hand hat, sondern eben die IT-Firma. Es ist klar, dass das erstmal die Konkur­renz um den Preis modifiziert, aber wie ist dann deren weiterer Verlauf?

   — Vorher noch eine Frage zu S. 37, o. Da geht es um das Verhältnis zwischen den IT-Unternehmen und dem industriellen Kapital. Ist es richtig, zu sagen, dass da ein Auf-den-Kopf-Stellen stattfindet dadurch, dass durch die Vernetzung über die digitalisierte Technik, die ursprünglich ein Mittel für die Rationalisierung, also für den Erfolg des industriellen Kapitals war, dieses jetzt quasi zur Unterabteilung des IT-Kapitals wird? Das, was da an ‚wirklichen Produkten’ produziert wird, verkommt zu bloßem „Krimskrams“.

Da wird der Verlauf der Konkurrenz zwischen IT- und industriellem Kapital beschrieben und es ist schräg, das als Resultat zu formulieren – also so, als ob der industrielle Kapitalist diesen Kampf schon verloren hätte.

Der Fortgang ist im Abschnitt davor angedeutet, dass die IT-Kapitale als diejenigen, die über ein wichtiges Pro­duktionsmittel für die industriellen Kapitale verfügen, schauen, dass sie von diesen über die Preisgestaltung möglichst viel für ihre Dienstleistung bekommen. Es liegt an der Sorte des Mittels, das sie zur Verfügung stellen, dass sie darüber eine Abhängigkeit eines Unternehmens von sich selber herstellen, insofern als sie direkt in den Produktionsprozess eingreifen und den immer wesentlicher mitgestalten. Damit hängt die Produktion über die Soft-ware, die da eingerichtet wird, von ihr ab und wird von ihr auch weiterentwickelt und es findet eine Vernet­zung mit anderen Industrien statt, die diese Soft-ware auch haben. Es wird hier also nicht mehr nur über den Preis konkurriert, sondern es wird durchaus eine Macht ausgeübt über die einzelnen Industrieunternehmen we­gen der Stellung, die die IT-Unternehmen schon innerhalb der Wirtschaft haben. Das war davor schon der Punkt. Jetzt kommt aus dieser Verschmelzung der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Sphären heraus: wer wen zu seinem Mittel macht, davon am meisten profitiert. Was das für Verlaufsformen hat, kann man in der Zeitung le­sen – das gibt es einerseits Versuche der IT-Unternehmen, in die industrielle Unternehmen einzusteigen (z.B. Google in die Auto-Produktion) und umgekehrt, dass diese versuchen, eine eigene IT-Branche aufzuziehen , wo­mit sie über die Sphäre, in der sie bisher tätig waren, hinauswirken. Also von beiden Seiten her ist die Ver­schmelzung das Konkurrenzmittel, das man jeweils für sich etablieren will.

   — Es ist doch so, dass es bei der zunehmenden Verzahnung der beiden Industrien darum geht, das Subjekt der Produktion zu sein, also wer der Eigentümer des Produkts ist. Gerade die deutschen Produzenten beschwören angesichts der zunehmenden Bedeutung der IT-Unternehmen die Gefahr, dass die industriellen Kapitale zum bloßen Hardware-Lieferanten degradiert werden und die Software das Bestimmende wird.

Und da geht es nicht darum: Wer hat in dem Unternehmen jetzt das Sagen? Sondern: in welcher Weise ist ein Unternehmen der Geschäftspolitik eines anderen Unternehmens untergeordnet? Das ist viel weitergehend als zu sagen: Bei BMW wird das Wesentliche die Elektronik und das Unternehmen verdient was an seinem mechani­schen ‚Krimskrams’. Es ist anders: das ganze Unternehmen ist ein Teil der Betriebskalkulation des anderen Un­ternehmens.

   — Man muss es auch nach der Seite hin ernst nehmen, was ‚das verschmolzene Geschäft’ für eine Firma heißt, die in der herkömmlichen Weise produziert, ohne sich der neuen Technologien zu bedienen: Sie geht frü­her oder später pleite, weil die Art, wie da produziert wird, nicht mehr konkurrenzfähig ist. Genauso nach der Seite hin, was da produziert wird, dass heutzutage mehr oder weniger jedes Ding vom Auto bis zu den Klamotten internetfähig sein soll, dass also das herkömmliche Warenangebot nicht mehr konkurrenzfähig ist. Andersrum ist das, was jetzt Gegenstand des Geschäfts ist, eine Kombination aus z.B. Auto und Google oder Siemens und SAP. Bezüglich der neuen Art zu produzieren bzw. der neuen Art von Produkten, die jetzt hergestellt werden, gibt es eine Konkurrenz, die man entweder von Seiten der industriellen Produzenten, die dann zu Produzenten mit IT-Anteil werden, oder von Seiten der IT-Kapitale, die dann zu IT-Kapitalen mit Autoproduktion werden, anzetteln kann. Die konkurrieren dann auf einem neuen gemeinsamen Geschäftsfeld, auf dem es sich durchzusetzen gilt.

Sie lösen damit – jeweils von ihrer Seite her – die Branchengrenzen auf.

   — Es ist also nicht so, dass es nach wie vor das industrielle und das IT-Kapital gibt und sich die beiden Kapi­talseiten neu aufeinander beziehen, sondern es findet eben besagte Verschmelzung statt.

   — Solange sie aber weiter als diese Konkurrenten bestehen bleiben, ringen sie doch innerhalb eines Unterneh­mens darum, wer der bestimmende Faktor in diesem Geschäftszweig ist. Der Autoproduzent, der sich IT zum Mittel machen wollte und überall IT-Teile eingebaut hat, hat sich eine Abhängigkeit eingehandelt, sodass – an­gesichts dessen, dass IT immer wichtiger wird – die Frage ist, ob VW der Auftraggeber für das IT ist oder ist das IT das bestimmende Subjekt ist.

Es ist klar, dass die Unternehmen weiter konkurrieren, aber sie werden eben dadurch auch zu einer anderen Sor­te Unternehmen. Es ist also sowohl aufgelöst, dass die Auto-Produktion etwas rein Mechanisches ist, als auch, dass IT reine Software-Produzenten sind. Dann ist der nächste Übergang: Um in der Konkurrenz auf dem Welt­markt erfolgreich zu sein, muss man über beide Seiten in Einheit verfügen, also mit Zusammenschlüssen und Kooperationen neu konkurrieren.

   —  Wenn sich eine Autofirma mit einem IT-Unternehmen zusammentut, um den Computer im Auto mit aller Welt zu vernetzen, ist dies nur ein Punkt. Das andere IT-Thema ist, wie diese Firma mit all den Zulieferern und Käufern wiederum vernetzt ist. Mit Firmen, die IT verkaufen, schließen sich die Automobilproduzenten zusammen, um ihre Zirkulation zu beschleunigen und den Markt zu erobern. Dadurch werden sie aber auch abhängig da­von, dass dieses Zusammenwirken mit dieser IT-Technologie technisch funktioniert, und zudem sind sie generell abhängig von den IT-Anbietern dieser Kooperationsmöglichkeiten selbst. Damit verändern sich beide Firmen. Das Automobilunternehmen versucht, diese IT-Seite bei sich zu integrieren und so das Geschäft des anderen bei sich haben. Und umgekehrt versucht ein solches IT-Unternehmen mittels Sphärenwechsel die eigentliche Pro­duktion bei sich zu integrieren und für sich als Geschäft zu entwickeln.

 

Fragen zum II. und III. Punkt können später besprochen werden. Nächstes Mal (19.9.) ist geplant: „Gesundheit – ein Gut und sein Preis“, GS-Verlag


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